Werden und Wirken
Interview mit Günter Thoma in Aral-Intern 3-4 / 98
"Aral intern" sprach mit dem Geschäftsführer der "Aral-
Stiftung",Günter Thoma,darüber,was im Einzelnen die
Aufgaben dieser Stiftung sein werden und wie sie arbeitenwird.
"Aral intern": Herr Thoma,was fördert die "Aral-Stiftung"?
Günter Thoma: Nun,die Aral-Stiftung fördert vorrangig lokale und regionale Maßnahmen und Vorhaben,also hier in der Stadt Bochum sowie im Ruhrgebiet.Allerdings können später auch in der Partnerstadt Nordhausen in Thüringen Vorhaben gefördert werden.Den Stiftungszweck wollen wir insbesondere wie folgt verwirklichen:
Wir fördern Vorhaben,die arbeitslosen und arbeitssuchenden jungen Menschen berufliche Perspektiven und Arbeit vermitteln sollen.Das kann z.B.mit der Veranstaltung von Orientierungsprogrammen über die Arbeitswelt und über die Berufswahl geschehen,ebenso zählen dazu Seminare zur Entscheidungsfindung über den weiteren Lebens-und Berufsweg.
- Damit die Kluft zwischen Bildungswelt und Arbeitswelt verringert wird, unterstützen wir verschiedene Maßnahmen:für Schüler halten wir Kurse und Seminare über die Arbeitswelt ab,führen entsprechende Begleitprogramme in und mit Schulen durch. Auch wollen wir zwischen jungen Menschen und der Arbeitswelt vermitteln und so zur besseren Verständigung beitragen.
- Wir wollen Unternehmergeist und Eigeninitiative bei jungen Menschen unterstützen,z.B.durch Ideenwettbewerbe. Dabei zielen wir beileibe nicht darauf ab,daß jeder nun ein Unternehmer werden soll oder sich dazu eignet. Aber viele haben gute Ideen, die bei ihrer Umsetzung zur Arbeit hinführen können.
-Modellprojekte sollen beispielhaft aufzeigen,wie neue Wege im Umgang mit Jugendarbeitslosigkeit beschritten werden können.Dazu gehört z.B.,daß wir unternehmerische Projekte mit jungen Arbeitslosen ins Leben rufen und unterstützen werden.
"Aral intern": Welche Gründe führten zur "Aral-Stiftung"?
Günter Thoma: Die Aral AG geht mit der "Aral-Stiftung "im Jahr ihres hundertjährigen Firmenjubiläums bewußt einen neuen Weg .Statt einer aufwendigen Feier hat der Vorstand beschlossen,einen nicht unerheblichen Geldbetrag zu stiften.Es sollen auf privatwirtschaftlicher Initiative Lösungskonzepte und Aktivitäten für im Grunde öffentliche Aufgaben angeboten werden.Es ist doch so,daß der Umbruch bzw. strukturelle Wandel der Arbeit und der Arbeitswelt mit zahlreichen Problemen einher geht. Das stellt alle gesellschaftlichen Gruppen vor schwierige Herausforderungen.Die zunehmende Beschäftigungslosigkeit ist dabei nur das offensichtlichste Problem.Aral,als traditionsreiches und gleichzeitig innovatives Unternehmen,ein "Kind des Ruhrbergbaus "und Motor des Fortschritts,sieht seine Verantwortung daher zunehmend auch im sozialen Umfeld.
Was die junge Generation betrifft,so stehen die meisten Jugendlichen heute vor der Frage,wie sie sich auf diese verändernde und unübersichtlich anmutende Arbeitswelt vorbereiten,wie sie den Übergang in die Arbeitswelt schaffen sollen,wie für sie eine Perspektive in Beruf und Leben aussehen kann,damit ihnen Ausbildungs-und Arbeitslosigkeit erspart bleibt.
Die "Aral-Stiftung "geht davon aus,daß Jugendarbeitslosigkeit eine Vielzahl von ursächlichen Gründen hat.Deshalb werden wir im Laufe der Zeit unterschiedliche Modellprojekte ins Leben rufen,die auf eine der jeweiligen Ursachen schwerpunktmäßig eine Antwort geben sollen.Deshalb fördert die "Aral-Stiftung "nicht jedes Jahr das gleiche Programm,sondern wir setzen von Mal zu Mal neue Akzente.
"Aral intern":Wie sehen die ersten Schritte aus?
Günter Thoma: Wir sind zunächst Ende August in unsere Räume an der Hattinger Straße 348 hier in Bochum umgezogen und gehen von hier aus unseren Aufgaben nach.Dabei wird,im Gegensatz zu vielen anderen Stiftungen,die "Aral-Stiftung "hauptsächlich operativ tätig,das heißt,neue und modellhafte Vorhaben und Projekte in Kooperation mit örtlichen Institutionen werden initiiert,entwickelt,realisiert und dabei der Projektträger auch finanziell unterstützt.
Die "Aral-Stiftung "begrüßt es, wenn Ideen,Vorhaben und Kooperationswünsche an sie herangetragen werden.Allerdings sind wir,gerade wegen unseres eher operativen Charakters,keine Förderstiftung im klassischen Sinne.Bei solchen Förderstiftungen werden bekanntlich fertige Anträge auf finanzielle Unterstützung gewissermaßen anonym gestellt und über deren Bewilligung oder Absage entschieden.Diese Vorgehensweise trifft bei der "Aral-Stiftung" nicht zu.Zum Auftakt im Gründungsjahr beteiligt sich die "Aral-Stiftung "seit dem 31.8.an einem Programm der Orientierung und Vermittlung arbeitsloser junger Frauen.
18 Frauen,die z.B.den Beruf abgebrochen oder keine Lehrstelle gefunden haben,hilft die Stiftung bei ihrer Berufsentscheidung.Dies ist die Grundlage für eine spätere Vermittlung und Berufsfindung. Außerdem vermittelt die TÜV-Akademie EDV-Grundkenntnisse.Ebenfalls beteiligt ist der VbFF (Verein berufliche Förderung für Frauen).Die Beteiligung am Programms "Jugend in Arbeit "des Landes Nordrhein-Westfalen zur Förderung langzeitarbeitsloser Jugendlicher folgt ebenfalls noch in diesem Jahr.
"Aral intern": Fassen wir also zusammen: Arbeitslosigkeit bzw.die Frage nach der Zukunft der Arbeit ist gesellschaftliches Thema Nr.eins. Daher hätte die Aral AG den Stiftungszweck nicht besser formulieren können.Es gäbe außerdem die Stiftung nicht, wenn die Aral AG mit all ihren Mitarbeitern diese Stiftungsvermögen nicht erwirtschaftet hätte.
Günter Thoma: So ist es, wir werden den Teilnehmern an den Stiftungs-Projekten erklären,woher das Geld gekommen ist,und daß es nicht vom Himmel fiel.Für die Stiftung ist es eine besondere Verpflichtung, die Mittel sorgfältig und wirksam einzusetzen.
Die Aral AG rief per 1.7.1998 eine mit 10 Millionen D-Mark dotierte "Aral-Stiftung "ins Leben Zweck der Stiftung ist die Förderung der Jugendhilfe,insbesondere von Initiativen zur beruflichen Qualifizierung,Umschulung und sozialen Betreuung von Jugendlichen,die arbeitslos oder ohne Ausbildung sind bzw.Arbeit oder Ausbildung suchen.
Die Aral-Stiftung ist eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts.Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.Die Stiftung ist selbstlos tätig,ihre Mittel dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden.
Geschäftsführer der "Aral-Stiftung":
Günter Thoma, 36, Diplom-Ökonom, studierte an der privaten Universität Witten/Herdecke und in den USA an der "University of Michigan" zum Thema "New Work - Neue Arbeit". In Mühlhausen/Thüringen Gründung und Mitarbeit in einer gemeinnützigen Einrichtung zum Aufbau von neuen Strukturen in der Jugendarbeit und zur Initiierung von Modellprojekten gegen Jugendarbeitslosigkeit.
